Wenn du zu ihm aufschauest, so siehst du es nicht, denn es ist unsichtbar.
Wenn du ihm lauschen willst, so hörst du es nicht, denn es ist lautlos.
Wenn du nach ihm fassest, so kannst du es nicht ergreifen, denn es ist unkörperlich, daher unbegreiflich.
Diese drei Eigenschaften, die sich nicht näher definiren lassen, kennzeichnen vereint das Wesen des Einen — des Táo.
Es kann keine Licht-, keine Schattenseite haben, es ist ewig und unvergänglich, und es ist nicht möglich, ein bezeichnendes Bild, einen Namen dafür zu finden.
Wir kommen immer darauf zurück, dass es nur als ein übersinnliches, durchaus immaterielles Wesen gedacht werden kann; denn
Wie könnte man das formen wollen, was keine Form hat, das darstellen wollen, was gestaltlos ist? Es ist das vollendet Geistige!
Trittst du ihm entgegen, so siehst du sein Gesicht nicht, trittst du ihm nach, so siehst du seinen Rücken nicht! —
Wenn man das Táo aber sich so vorstellt, wie es die Alten sich dachten, und wie die Idee auf die Neuzeit sich heranbildete, und so an der Hand der Geschichte und der Erfahrung das Táo von der ersten Idee darüber erfasst, so nennt man dies die Empirie der Táo-Idee.
Man schaut Ihn ohne zu sehen: sein Name heisst I (Gleich); man vernimmt Ihn ohne zu hören: sein Name heisst Hi (Wenig); man fasst Ihn ohne zu bekommen: sein Name heisst Wi (Fein). Diese Drei können nicht ausgeforscht werden; drum werden sie verbunden und sind Einer. Sein Oberes ist nicht klar, sein Unteres nicht dunkel. Je und je ist er unnennbar und wendet sich zurück ins Nicht-Wesen. Das heisst des Gestaltlosen Gestalt, des Bildlosen Bild; das ist gar unerfasslich. Ihm entgegnend siehet man nicht sein Haupt, ihm nachfolgend siehet man nicht seine Rückseite. Hält man sich an den Tao des Alterthums, um zu beherrschen das Seyn der Gegenwart, so kann man erkennen des Alterthums Anfänge: das heisst Tao's Gewebaufzug.
Lob des Geheimnisses
Man schaut nach ihm und sieht ihn nicht:
Sein Name ist: Gleich.
Man horcht nach ihm und hört ihn nicht:
Sein Name ist: Fein.
Man faßt nach ihm und ergreift ihn nicht:
Sein Name ist: Klein.
Diese drei kann man nicht trennen,
Sie sind vermischt und bilden Eines.
Sein Oberes ist nicht klarer,
sein Unteres ist nicht trüber.
Grenzenlos quellend,
man kann ihn nicht nennen,
er reicht zurück ins Nicht-Wesen.
Das ist es, das gestaltlose Gestalt heißt,
und das bildloses Bild heißt.
Das ist es, das Unsichtbarkeit heißt:
Ihm entgegenkommend sieht man nicht sein Antlitz,
ihm folgend sieht man nicht seine Rückseite.
Wer erfaßt den SINN des Alten,
kann damit beherrschen das Sein des Heute
und kann die Uranfänge erkennen:
Das ist des SINNS durchgehender Faden.