Reisst euch los von euern Doctrinen, und ich will euch befreien von euerer Trübsal, euerm Kummer, sofern ihr nur euere Einwilligung gebt, meine Lehren zu befolgen. Wie ungemein verschieden sind doch beide! So wie das Gute sich verhält zum Schlechten, wie die Schönheit zur Hässlichkeit, so verhält sich meine Lehre zu der eurigen.
Aber ihr seid einmal kleingläubig, und wer kleingläubig ist, der bleibt immer mistrauisch, schüchtern, argwöhnisch, der bleibt auch kleinmüthig, und das Körperlose, das Uebersinnliche zu begreifen und zu würdigen, dazu seid ihr deshalb noch nicht halb reif.
Ja! Gemeinschaftlich, da erfreuen sich die Menschen, wie bei einem grossen Feste, oder wie, wenn man im Frühjahr eine Anhöhe besteigt, die eine weite schöne Aussicht gewährt; aber der auf sich selbst beschränkte Mensch treibt irre umher, wie der Schiffer, der den Hafen sucht, und dem Wind und Wetter noch nicht günstig sind. Er ist wie ein neugeborenes Kind, das noch kein Lächeln für die Mutter hat. Er steuert fort und fort, und weiss nicht, wo er sich hinwenden soll.
In Gemeinschaft da finden die Menschen wol Hülfsmittel, aber der alleinstehende, auf sich beschränkte Mensch hat sie verloren, er ist schwach, blöde, und in seinem Herzen — oh! — da sieht es aus, wie ein unentwirrbares Chaos.
Durch das Zusammenleben werden die Menschen erleuchtet, gebildet, aufgeklärt; der alleinstehende bleibt in Finsterniss.
In Gemeinschaft werden die Menschen denkend, überlegsam; auf das Ich beschränkt, bleiben sie beschränkt, niedergeschlagen, traurig. Verlassen wie ein Nachen auf dem weiten Meer, der dem Wind und den Wellen preisgegeben, treibt solcher umher, und weiss nicht, wo er bleiben, nicht, wo er Ruhe finden soll.
Die Menschen gemeinsam wissen, woran sie sich halten können; der auf sich selbst beschränkte Mensch ist rathlos und steht da gleich einem Geächteten.
Aber dies auf sich allein angewiesene Ich wird ein anderes sein bei den Menschen, die die allgütige, alliebende und alles ernährende Mutter Natur verehren.
Wer das Lernen fahrenlässt, hat keinen Kummer. »Oh ja« und »Ja ja«, wie wenig unterscheiden sie sich! Gut und Bös, wie sehr unterscheiden sie sich! Was die Menschen fürchten, kann man nicht nicht-fürchten. Die Verfinsterung, o dass sie noch nicht aufhört! Die Menschen strahlen vor Lust, wie wer einen Stier opfert, wie wer im Frühling eine Anhöhe ersteigt: — ich allein liege still, noch ohne Anzeichen davon, wie ein Kindlein das noch nicht lächelt; ich schwanke umher, wie wer nicht hat wohin er sich wendet. Die Menschen alle haben Überfluss: — ich allein bin wie ausgeleert; oh ich habe eines Stumpfsinnigen Herz! ich bin so verwirrt! Die gewöhnlichen Menschen sind sehr erleuchtet: — ich allein bin wie verfinstert. Die gewöhnlichen Menschen sind sehr lauter: — ich allein bin ganz trübe, vergessen wie das Meer, fortgetrieben, wie wer nicht hat wo er anhält. Die Menschen alle sind zu gebrauchen: — ich allein bin tölpisch gleich einem Bauern. Ich allein bin anders als die Menschen, aber ich ehre die nährende Mutter.
Abseits von der Menge
Gebt auf eure Gelehrsamkeit:
so werdet ihr frei von Sorgen!
Zwischen Ja und Jawohl: was ist da für ein Unterschied?
Zwischen Gut und Böse: was ist da für ein Unterschied?
Was aber alle verehren,
das darf man nicht ungestraft bei Seite setzen.
O Einöde, habe ich noch nicht deine Mitte erreicht?
Die Menschen der Menge sind strahlend,
wie bei der Feier großer Feste,
Wie wenn man im Frühling auf die Türme steigt:
Ich allein bin unschlüssig, noch ohne Zeichen für mein Handeln,
Wie ein Kindlein, das noch nicht lachen kann!
Ein müder Wanderer, der keine Heimat hat!
Die Menschen der Menge leben alle im Überfluß:
Ich allein bin wie verlassen!
Wahrlich, ich habe das Herz eines Toren!
Chaos, ach Chaos!
Die Menschen der Welt sind hell, so hell:
Ich allein bin wie trübe!
Die Menschen der Welt sind so wißbegierig:
Ich allein bin traurig, so traurig!
Unruhig, ach, als das Meer!
Umhergetrieben, ach, als einer der nirgends weilt!
Die Menschen der Menge haben alle etwas zu tun:
Ich allein bin müßig wie ein Taugenichts!
Ich allein bin anders, als die Menschen:
Denn ich halte wert die spendende Mutter.